Informationen zu den Stadttauben

Wussten Sie…. ?
Stadttauben sind verwilderte Haustiere!

«Lösen sich die geordneten Beziehungen zwischen Mensch und Haustier und gelangen die Tiere, aus welchen Gründen auch immer, in die natürliche Umwelt zurück, so führt dies zur Verwilderung von Haustieren. […] Verwilderte Haustiere bleiben genetisch Haustiere.»
Norbert Bernecke

Von der Felsentaube abstammend, hat der Mensch sie seit Jahrhunderten gezüchtet und genutzt; als Fleisch- oder Eierlieferant, Briefbote oder Liebhaberobjekt. Während der Zuchtwahl wurde auf Maximierung der Fortpflanzungsrate selektioniert, d.h. Individuen mit erhöhter Reproduktivität wurden vom Züchter bevorzugt und die erhöhte Brutaktivität während der Domestikation genetisch manifestiert. Als Folge sind Haustauben früher geschlechtsreif und brüten ganzjährig. 

Um möglichst viele Tiere auf kleinem Raum halten zu können, fand eine künstliche Selektion für wenig aggressive und wenig territoriale Tiere statt; d.h. Täuber mit grossen Territorien wurden eliminiert. Bei Stadttauben als verwilderte Nachfahren von Haustauben führt das verminderte Aggressions- und Territorialverhalten  zu einer räumlich beschränkten, hohen Konzentration von Brutplätzen. Diese widernatürliche Situation an den Brutplätzen in Städten lässt natürliche Verhaltensweisen zu Fehlverhalten werden und bringt Probleme mit Parasiten und Krankheiten an den Brutplätzen mit sich. Andere Verhaltensweisen, die während der Domestikation verloren gingen, fehlen nun in der heutigen vom Menschen wieder unabhängigen Lebensweise.

Stadttauben sind durch ihre Fähigkeit einseitige Ernährungssituationen zu überdauern und Adaption zum Allesfresser an das städtische Nahrungsangebot angepasst und in der Lage die ökologische Nische des Stadtzentrums zu besetzen. Anders als Felsentauben (die Stammform der Stadttaube), können Stadttauben bei fehlendem Nahrungsangebot nicht auf natürliche Nahrungsquellen ausweichen. Sie sind vielmehr auf artgerechte Fütterung durch den Menschen angewiesen und andernfalls dazu gezwungen auf menschliche Abfälle zurückzugreifen, was einen fatalen Effekt auf die Gesundheit der Tiere hat. Die mangelhafte Ernährung von Stadttauben ist ausserdem verantwortlich für den flüssigen Kot (Hungerkot). Der Kot einer artgerecht ernährten Taube mit Körnern und Sämereien ist ziemlich klein und fest und verursacht somit deutlich weniger Verschmutzung.

Viele Massnahmen zur Begrenzung der Stadttaubenzahl sind ungeeignet

Tötungsaktionen sind weder ethisch vertretbar noch eine nachhaltige Lösung der Bestandsregulierung, da die Population innert kurzer Zeit ihre ursprüngliche Grösse annimmt. Dabei ist zusätzlich zu beachten, dass Jungtiere elendiglich in ihren Nestern verhungern, wenn ihre Eltern bei Tötungsaktionen getötet werden. 

Auch Fütterungsverbote verringern die Taubenzahl nicht, da die Brutaktivität genetisch bedingt und nicht wie bei Wildtieren über das Futterangebot zu regulieren ist. Auch unterernährte Tiere pflanzen sich fort und so ist die Legeaktivität nicht vom Nahrungsangebot abhängig. 

Vergrämungsmassnahmen wie Stachelmanschetten, Netze usw. führen nicht zu einer Lösung des Problems, sondern verlagern dieses lediglich. Zudem tragen die Tiere bei Kontakt mit mechanischen Abwehrmassnahmen oft sehr schmerzhafte Verletzungen davon und die Installationen stellen demnach ein tierschutzrechtliches Problem dar.

Vielversprechend hingegen ist das Konzept zur tierschutzgerechten Regulierung der Stadttaubenpopulation, welches auf gesunden Populationen mit Geburtenkontrolle in betreuten Taubenschlägen beruht.

Konzept:

  • Bindung der Tauben an Taubenschläge, welche an angestammten Tauben-Standorten eingerichtet werden. 
  • Kontrollierte Fütterung und somit Gesunderhaltung der Tiere. Keine Fütterung ausserhalb des Schlages.
  • Ersetzen der frischen Gelege durch Ei-Attrappen.
  • Aufklärung und Einbezug der Bevölkerung.


Sobald die Tauben regelmässig in die Schläge kommen, kann die Fortpflanzungsrate der Tiere beeinflusst und reduziert werden. Auch die Verschmutzung in den Städten wird verringert, da sich die Tauben vorwiegend in den Schlägen aufhalten und dort bis zu 80 Prozent des Kotes ausgeschieden wird.
 

Das vollständige Konzept von Stadttauben Schweiz wird derzeit ausgearbeitet und folgt…

Eine art- und tierschutzgerechte Bestandeskontrolle der Stadttauben-Population hat oberste Priorität, welcher in betreuten Taubenschlägen effektiv und nachhaltig Rechnung getragen werden kann.

Ausführliche Infos im Stadttauben-Management (PDF)

Mit Rat und Tat

Fragen und Antworten

Taubenfutter und Fütterung

Ein gutes Taubenfutter enthält eine Vielzahl von Saaten.

Fertige Futtermischungen enthalten z. B. Mais, Erbsen, Weizen, Gerste, Milo, Dari, Wicken, Hirse, Kardisaat, Sojabohnen, Hafer, Raps, Leinsaat, Linsen und Sonnenblumenkerne. Das Futter kann aber auch selbst gemischt oder mit Mais und Weizen gestreckt werden. Zusätzlich zum Futter sollte den Tauben stets frisches Wasser und Muschelgrit zur Verfügung stehen. Eine zusätzliche Vitamingabe kann sinnvoll sein.

Eine erwachsene Stadttaube benötigt ca. 35 g

Futter pro Tag. Im Idealfall wird täglich gefüttert, da hierdurch die im Schlag lebenden Tauben das Futter direkt aufnehmen und dadurch die Gefahr sinkt, dass schlagfremde Tauben den Schlag nur als Futterquelle aufsuchen (was besonders bei zu geringer Schlagkapazität zu einer unerwünschten Konzentration von Tauben oder zu angrenzenden Bruten ausserhalb des Schlages führen kann). In der Praxis ist eine tägliche Fütterung bei einer größeren Anzahl von Schlägen kaum realisierbar.

Wird z.B. zweimal die Woche gefüttert, muss darauf geachtet werden, dass sich in Schlagnähe keine wilden Randbruten bilden (ggf. mithilfe entsprechender Vergrämung).

Der Futterverbrauch sollte kontrolliert und, falls nötig, dem Bedarf entsprechend angepasst werden. Werden die Tiere, die im Schlag leben, beringt, kann leichter festgestellt werden, ob und wie viele schlagfremde Tauben den Taubenschlag aufsuchen. Zudem kann besser untersucht werden, ob und an welchen Orten der Stadt sich die beringten Tauben ausserhalb des Schlages aufhalten. Eine Beringung ist jedoch für den Erfolg des Konzeptes nicht unbedingt  notwendig.

Es können auch Tauben, die ausserhalb von betreuten Schlägen leben, gefüttert werden, wenn auf ihre Reproduktion Einfluss genommen wird, z. B. durch betreute Brutplätze oder Sterilisation. Eine regelmässige Fütterung ausserhalb der Schläge sollte jedoch nur an ausgewählten Orten erfolgen, an denen eine Konzentration und ein längerer Aufenthalt der Tiere nicht zu einer Belästigung der Anwohner führt.

Bringen Sie das verletzte Tier zur Vogel-Vollière.

Bitte wenden Sie sich an das Sekretariat, Frau Ruth Gerber
sekretariat@stadttauben.ch