16. August 2026 • Medien und Politik • Mythen und Fakten • Schweiz • Deutschland • Unkategorisiert

Systeme im Vergleich

Basler Modell vs. Augsburger Modell

Wie sollen Kommunen mit Stadttauben umgehen? Zwei gegensätzliche Konzepte prägen die Debatte. Eine Gegenüberstellung zeigt, warum das Augsburger Modell aus biologischer und tierschutzfachlicher Sicht die nachhaltigere Lösung bietet.

Das Basler Modell: Bekämpfung durch Futterentzug

Das in den 1980er-Jahren entwickelte Konzept basiert primär auf strikten Fütterungsverboten, dem Verschliessen von Nistplätzen und dem grossflächigen Einsatz von Abwehrsystemen wie Spikes und Netzen.

Die Prämisse: Das Modell geht davon aus, dass Tauben sich wie Wildtiere verhalten und bei Nahrungsmangel ihre Fortpflanzung einstellen oder abwandern.

Der Fakt: Da Stadttauben domestizierte Haustiere beziehungsweise deren Nachkommen sind, greift dieser Mechanismus nicht. Sie brüten auch bei massiver Unterernährung weiter. Das Basler Modell reguliert den Bestand nicht tiergerecht. Es führt zu Verelendung, erhöhter Krankheitsanfälligkeit und kann einen qualvollen Hungertod der Tiere im städtischen Raum zur Folge haben.

Die juristische und praktische Realität: Eine rechtliche Analyse der Deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutzrecht unter Dr. Christoph Maisack zeigt die gravierenden Mängel dieses Ansatzes auf. Um die durch den Futterentzug verhungernden Tauben vor einem qualvollen Tod zu bewahren, mussten in Basel zwischen 1988 und 1992 über 8’000 Tauben aktiv getötet werden. Zudem erweist sich der Fütterungsverzicht als kontraproduktiv für das Stadtbild. Dauernd hungrige Tauben verteilen sich auf der Suche nach Essbarem im gesamten Stadtgebiet. Sie betteln an Kiosken oder in der Freiluftgastronomie und setzen ihren Kot unkontrolliert ab.

Das Augsburger Modell: Regulierung durch betreute Taubenschläge

Dieses Konzept erkennt Stadttauben als hilfsbedürftige Haustiere an. Es setzt auf eine tiergerechte Bestandsregulierung statt auf Bekämpfung.

Die Methode: Im Zentrum stehen betreute Taubenschläge. Durch artgerechte Fütterung und die Bereitstellung von Wasser im Schlag werden die Vögel gezielt an geeignete Standorte gebunden und von stark frequentierten Bereichen der Stadt weggeführt.

Der Fakt: Da sich die Tiere einen grossen Teil der Zeit im Schlag aufhalten, verbleibt auch ein grosser Teil des Kots dort und kann regelmässig entfernt werden. Die eigentliche Populationskontrolle erfolgt effektiv und tierschutzgerecht durch den regelmässigen Austausch der Gelege gegen Gipseier. Wie die Analyse der Deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutzrecht bestätigt, verhalten sich artgerecht gefütterte Tauben ruhiger und bleiben in der Nähe ihres Schlages. Belästigungen in der Innenstadt können durch diese kontrollierte Versorgung deutlich reduziert werden.

Fazit

Das Basler Modell setzt auf Futterentzug und geht in seiner historischen Umsetzung mit Tötungen einher. Dabei werden die besonderen Eigenschaften der domestizierten Stadttaube nur unzureichend berücksichtigt. Das Augsburger Modell nutzt dagegen ihre Standorttreue und bindet die Tiere an einen festen Platz. Gleichzeitig ermöglicht der Austausch der Gelege eine gezielte, tierschutzgerechte und nachhaltige Regulierung der Population.

Gesamtkonzeptveganwebagency

Unser Gesamtkonzept orientiert sich am Augsburger Modell und zeigt, wie betreute Taubenschläge in der Schweiz effizient und tiergerecht umgesetzt werden können.

1Maisack, Ch. (Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutz e.V., 2018) - Weiterentwicklung des Karlsruher Stadttaubenkonzeptshttps://stadttauben.ch/wp-content/uploads/DJGT_Weiterentwicklung-des-Karlsruher-Stadttaubenkonzepts.pdf